Erfolgreich führen erfordert mehr als gute Prozesse
width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">“Ways of Working” sind weit mehr als interner Verhaltenskodex oder operatives Instrument – sie sind strategischer Erfolgsfaktor für sämtliche Unternehmensformen.Roman Samborskyi | shutterstock.com
Vorweg eine Definition: Wenn von “Ways of Working” die Rede ist, sind klar definierte Prinzipien gemeint, die von Einzelpersonen und Teams im Arbeitsalltag beachtet werden, wenn es darum geht, Aufgaben umzusetzen und Ziele zu erreichen. Gleichzeitig stellen sie Verhaltensstandards und -prinzipien dar, die den Rahmen für Zusammenarbeit, Entscheidungsfindung und Führung im Unternehmen bilden.
Doch wie können “Ways of Working” in der Praxis gestaltet, operationalisiert und erfolgreich verankert werden? Eine Beobachtung, die ich immer wieder mache: Wenn über das Wie im Unternehmenskontext gesprochen wird, geht es oftmals um spezielle Methoden, Prozesse oder Praktiken, die im Arbeitsalltag durch die Belegschaft, Teams oder Einzelpersonen umgesetzt werden (müssen), um eine Aufgabe zu erledigen oder Ziele zu erreichen. Dass dies auf Dauer nicht reicht, sollte auf der Hand liegen: Es nimmt Mitarbeitenden den Freiraum, selbstständig zu agieren und Lösungen zu finden. Darüber hinaus hemmt es ihre Kreativität, Innovationskraft und Lösungskompetenz. Diese Aspekte sollten also nie die Basis für die unternehmensweiten “Ways of Working” sein. Stattdessen sollte es bei der Ausarbeitung des Wie um kulturelle Erwartungen, Werte und die generelle Zusammenarbeit sowie Arbeitsweise von Mitarbeitenden im gesamten Unternehmen gehen. Davon profitieren Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen.
Arbeitgeber können Orientierung geben und schaffen so gleichzeitig ein gemeinsames Verständnis sowie Klarheit – ohne die Mitarbeitenden einzuschränken und zu demotivieren. Außerdem können sie die Mitarbeiterbindung und -zugehörigkeit fördern, wenn die in den Ways of Working definierten Prinzipien und Werte aktiv gelebt werden. Mitarbeitenden hingegen geben sie Klarheit hinsichtlich der Erwartungshaltung, schaffen Raum für Eigenständigkeit und ermöglichen berufliche sowie persönliche Weiterentwicklung.
“Ways of Working” definieren und gestalten
Damit dieser Mehrwert nicht abstrakt bleibt, braucht es einen klaren Prozess zur Entwicklung der “Ways of Working”. Ein geeigneter Startpunkt, um diese zu definieren, kann folgender sein: Unternehmen können per Datenanalyse herausfinden, welche individuellen Verhaltensweisen von Top-Führungskräften explizit positive geschäftliche Auswirkungen haben – und daraus entsprechende Wie-Standards ableiten. Konkret sieht das so aus: Auf Basis einer internen Analyse zu Top-Leader-Verhaltensweisen, lässt sich ein neues Ways-of-Working-Modell entwickeln, das auf den folgenden vier Säulen basiert:
We act candidly: Wir kommunizieren offen und transparent. Denn wir wissen, dass Wachstum von Menschen und Unternehmen nur durch offene Kommunikation von Erwartungen und Entscheidungen möglich ist.
We win together: Wir arbeiten abteilungsübergreifend zusammen, um das große Ganze zu sehen, voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu unterstützen. Wir sind stets bestrebt, Lösungen anzubieten und Ergebnisse zu erzielen, auch bei persönlichen Meinungsverschiedenheiten.
We take ownership: Wir reden nicht nur darüber, sondern krempeln die Ärmel hoch, um Dinge in die Tat umsetzen – mit Mut und Zuversicht Verantwortung für das Gesamtergebnis zu übernehmen. So gelingt es unserer Überzeugung nach, Ergebnisse zu erzielen und außergewöhnliche Produkte zu schaffen.
We create impact: Wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden und des Unternehmens, indem wir ständig nach Spitzenleistungen streben und hohe Standards einhalten, evidenzbasierten Entscheidungen den Vorzug geben und eine Wachstumsmentalität verfolgen. Veränderungen betrachten wir als Katalysatoren für sinnvolle Innovationen.
Diese definierten “Ways of Working” dienen im Arbeitsalltag als kultureller sowie struktureller Rahmen, der festlegt, wie Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens im Team zusammenarbeiten, Aufgaben umsetzen und Ziele erreichen wollen.
Ways-of-Working-Modell praktisch umsetzen
Aber selbst das beste Modell entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn es von der Theorie in die Praxis übersetzt werden kann und im Alltag durch die Mitarbeitenden lebendig wird. Der entscheidende Hebel dafür ist eine bewusste Feedback- und Lernkultur, die durch ein gut durchdachtes Change-Management gestützt wird. Nur so kann das gewünschte Verhalten im Wie sichtbar, verstärkt und langfristig im Unternehmen verankert werden. Erfolgskritisch sind in diesem Zusammenhang drei Faktoren.
1. Bewusste Kommunikations- und Implementierungsstrategie
Ein gezielter interner Kommunikations- und Stakeholder-Plan hilft, den Sinn und Nutzen von “Ways of Working” für alle greifbar zu machen – und sie so in der Organisations-DNA fest zu etablieren. Entscheidend ist die Vorgehensweise: “Ways of Working” sollten nicht vorschnell als Poster an die Wände gehängt oder in groß angelegten Kampagnen von null auf hundert verkündet werden, solange sie noch nicht im Alltag erlebbar sind.
Denn Akzeptanz entsteht nur, wenn Mitarbeitende die “Wie”-Prinzipien bereits in der täglichen Arbeit spüren. Deshalb empfiehlt sich eine schrittweise Einführung über bestehende Prozesse und Arbeitsweisen – etwa im Onboarding, in Meetings oder Performance-Gesprächen. Erst wenn diese Grundlagen etabliert sind, sollte die breite Kommunikation folgen. So wirken die Prinzipien authentisch und praxisnah und werden nicht als reine Symbolpolitik wahrgenommen.
2. Senior Role Modeling
Führungskräfte dienen als Vorbilder und Multiplikatoren für eine gelebte und erfolgreiche Verankerung der “Ways of Working”. Ihr Verständnis und ihre Haltung gegenüber dessen bestimmt, wie ernst das “Wie” in der Organisation genommen wird. Es ist daher wichtig, dass Führungskräfte sie im Alltag sichtbar vorleben – in Meetings, Entscheidungsprozessen und im Umgang mit Mitarbeitenden.
Hilfreich ist es, dafür klare Erwartungshaltungen zu formulieren und diese regelmäßig in Führungsrunden zu reflektieren. Sinnvoll sind auch Peer-Feedback-Formate auf Managerebene, in denen Führungskräfte sich gegenseitig Rückmeldung geben, ob und wie sie die Prinzipien tatsächlich verkörpern. So entsteht Verbindlichkeit – und das “Wie” wird nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Praxis erfahrbar.
3. Operationalisierung im Führungsalltag
Die “Ways of Working” müssen im Arbeitsalltag greif- und messbar sein. Führungskräfte müssen daher lernen, anhand der “Wie”-Kriterien gutes von exzellentem Verhalten zu unterscheiden – und das auch konkret zu benennen und Feedback dazu zu geben. Effektive Lernmethoden dafür sind unter anderem In-Person-Trainings, How-to-Guides oder Apps mit Praxisübungen und Fallstudien.
“Ways of Working” sind strategischer Erfolgsfaktor – für Startups ebenso wie für den Mittelstand oder internationale Konzerne. Sie bilden die Brücke zwischen Kultur und Geschäftserfolg, geben Orientierung im Arbeitsalltag, schaffen Klarheit über Erwartungen und ermöglichen eine Zusammenarbeit, die nicht vom Zufall abhängt, sondern systematisch gefördert wird. (pg/fm)
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